
Execution Platform Development – Part 2
Publiziert am 26.03.2026 MEZ
Falls Sie Teil 1 verpasst haben, können Sie hier einsteigen. Im ersten Kapitel haben wir Roger und das Team durch einen hochdynamischen Marktmorgen begleitet – und genau in dem Moment aufgehört, als Tobias abrupt wieder in die operative Realität zurückgeholt wurde. Nun richten wir den Fokus auf das, was als Nächstes passiert: auf jene Momente, in denen ingenieurtechnisches Handwerk auf Echtzeit‑Marktanforderungen trifft – und in denen sich die Robustheit der Plattform Auftrag für Auftrag bewähren muss.
Während seines Supportdiensts beobachtet Tobias ein plötzlich erhöhtes Volumen von Aufträgen, in unserem Smart Order Router (SOR). Mit ungefähr 250 000 verarbeiteten Aufträgen pro Monat ist der SOR eine zentrale Komponente der Handelsplattform.
Tobias kennt die technischen Details wie seine Westentasche, da er vor fünf Jahren die Entwicklung des SOR leitete, als das Team beschloss, eine eigene Lösung zu bauen. Damals standen wir vor der Wahl, ein bereits bestehendes Produkt eines Anbieters zu kaufen oder Zeit und Ressourcen in eine eigene Implementation zu investieren. Schlussendlich überwogen die Vorteile der vollständigen Kontrolle über den Code und die Konfiguration dieser kritischen Systemkomponente die mit der Entwicklung verbundenen Kosten. Auch heute bedauert Tobias die Entscheidung keineswegs: Er kann die Konfiguration der Auftragsabwicklung in Echtzeit anpassen und auch zu Spitzenzeiten einen reibungslosen Betrieb gewährleisten.
Vom Supportarbeitsplatz beim Trading Desk wechselt Tobias zu seinem Entwicklungsarbeitsplatz in den dritten Stock und überprüft den Status der nächtlichen Bereitstellung im Testsystem. Das Team legt grossen Wert auf Automatisierung und optimierte Entwicklungsprozesse. Zu diesen gehört unter anderem eine Continuous Delivery-Pipeline, die jede Nacht die neueste Softwareversion veröffentlicht. Alle Kontrollpunkte sind grün, somit ist das neue Feature für einen Kunden, das er am Vortag programmiert hat, bereit für die Testphase.

«Unser SOR navigiert durch fragmentierte Märkte in Echtzeit und bietet unseren Kunden damit die bestmögliche Ausführung.»
Tobias Moser
Senior Execution Platform Architect
Tobias liebt es, Lösungen für unsere Kunden zu entwickeln – ein Prozess, der mit der Anforderungsanalyse beginnt, tiefgehende Diskussionen mit dem Kunden umfasst, um dessen Bedürfnisse vollständig zu verstehen, und schliesslich auch rigoroses Testen des neuen Releases einschliesst. Mit dem Handelssystem betreiben wir etwa 100 hochgradig anpassbare Schnittstellen für Kunden- und Märkte, ergänzt durch einen kontinuierlichen Strom von Echtzeit-Marktdaten. Angesichts der Vielzahl an Berührungspunkten ist es entscheidend, Änderungen und Releases akribisch genau zu koordinieren.
Nichts kann mehr Schaden anrichten als ein ungetestetes Softwaremodul, welches in die Produktion eingespielt wird.
Gegen 12.30 Uhr bittet Cyril, ein weiterer SOR-Experte, Tobias, die neuesten Anpassungen an der Codebasis anzuschauen, die er gerade vorgenommen hat. Sogenannte Pull-Requests dienen als Werkzeug zur Überprüfung von Änderungen - ein entscheidendes Mittel für Qualitätssicherung, Wissensaustausch und allgemeine Diskussionen über den Code im Team. Als Senior Software Architect schätzt Tobias Werkzeuge, die einen gut organisierten Entwicklungsablauf unterstützen, und gibt gerne fundiertes Feedback mit seinem tiefgehenden Verständnis der Plattform. Da die vorgeschlagenen Änderungen im Pull-Request umfangreich sind, lädt er Cyril ein, die Details während eines gemeinsamen Mittagessens zu besprechen. Zusammenarbeit und regelmässige, offene Diskussionen über die tägliche Arbeit sind essenziell für ein leistungsstarkes Team. Tobias weiss, dass gute Lösungen Zeit brauchen und am besten bei einem leckeren Essen in der Vontobel-Kantine besprochen werden – heute gibt es sein Lieblingsgericht, Pad Kra Pao.
Eugene ist gerade vom Mittagessen zurückgekehrt und bereit, die operativen Aufgaben für die Nachmittagsschicht am Trading Desk im zweiten Stock zu übernehmen. Während der Übergabe bestätigt Tobias, dass es dank der US-Präsidentschaftswahlen definitiv ein ereignisreicher Tag gewesen sei, auf der Betriebsseite jedoch keine offenen Produktionsvorfälle vorlägen.
Eugene spürt, wie viel Spannung am Trading Desk in der Luft liegt. In wenigen Stunden dürfte sie ihren Höhepunkt mit dem Eröffnen der US-Märkte erreichen. Er prüft das Überwachungssystem und die Supportmails, um sicherzugehen, dass nichts aussteht, und nimmt sich dann Zeit für einige entwicklungsbezogene Aufgaben.
Diese Woche hat er zwei Tickets zur Kundenanbindung zugewiesen bekommen, die einige Anpassungen auf FIX-Ebene erfordern. Eugene macht Kommentare im Ticketsystem, erläutert was getan werden muss und gibt Schätzungen für die Fertigstellung der Arbeiten ab. Er koordiniert sich mit Rainer, der das Team Execution Platform Operations leitet, da die Kundenanbindung eine gemeinsame Anstrengung beider Teams erfordert. In ein paar Tagen möchte der Kunde bereits testen, die Anforderungen wirken dabei recht komplex. Eugene zögert nicht und ist entschlossen, die Lösung bis zum nächsten Release in zwei Wochen bereit zu haben. Wie immer ist er gewillt, die Ärmel hochzukrempeln, um die Wünsche der Kunden so schnell wie möglich umzusetzen. Diese Entschlossenheit, Mehrwert zu liefern, steht im Zentrum seines Ansatzes für den Kundenservice.
«Unsere Execution Platform läuft in drei unabhängigen Rechenzentren, die jederzeit eine lückenlose Verfügbarkeit sicherstellen.»
Eugene Gorbachev
Senior Execution Platform Engineer
Als die Aufträge nach der Öffnung der US-Märkte einströmen, wird klar, dass frühere Rekorde übertroffen werden könnten. Eugene kontaktiert Evangelos, um die aktuelle Situation zu analysieren und die vorhandenen Prozesse für das Business Continuity Management (BCM) zu überprüfen, falls deren Einsatz notwendig werden sollte.
Evangelos beginnt, gemeinsam mit Eugene die Zahlen zu analysieren, und die Projektionen zeigen, dass wir heute 80 000 eingehende Orders übertreffen könnten. Dieses Rekordhoch bei der Execution Platform ist für Evangelos kein Grund zur Sorge: Er hat bewiesen, dass das System mehr als 200 000 Aufträge abwickeln kann – genau die Zahl, die wir vor einem knappen Jahr im Test erzielt haben. Wir führen sogenannte «Tsunami»-Lasttests durch, bei denen wir das System aussergewöhnlich hohen Ordervolumina unterwerfen. Gleichzeitig führen wir auf dem System Softwareprofiling durch, um sicherzustellen, dass es sich immer wie erwartet und ausfallsfrei verhält. Wir glauben, dass ein System nur so stark ist wie seine schwächste Komponente, weshalb wir Schwachstellen kontinuierlich identifizieren und verbessern und so auch die Gesamtperformance der Execution Platform maximieren.
Nach kurzer Prüfung des Orderflow und der vorhandenen BCM-Verfahren richtet Evangelos seine Aufmerksamkeit auf das aktuelle Sprintboard, welches alle Aufgaben der Woche für das Team enthält. Jeden Montag werden die Aufgaben in der Planungssitzung revidiert. In zwei Wochen wird ein neuer Release live gehen und alles scheint planmässig zu verlaufen. Aber Evangelos möchte sicherstellen, dass wir nicht in letzter Minute Erweiterungen des Umfangs haben, die einen unerwünschten Einfluss haben könnten. Aus diesem Grund ruft Evangelos Roman an, Leiter der Abteilung Trading Product Development, der auch Product Owner der Execution Platform ist. Roman definiert die Arbeitsschwerpunkte, basierend auf dem Feedback von Kunden und Händlern. Er erwähnt, dass es eine neue Anfrage vom Trading Desk gegeben hat, wobei es um eine Verbesserung des 24-Stunden-Angebots der asiatischen Märkte geht. Evangelos akzeptiert die Herausforderung und erstellt umgehend die Tickets, die er dem Sprintboard für die nächste Woche zuweist. Sogleich wird die Arbeit in Angriff genommen, um rechtzeitig für unsere nächste Version bereitzustehen. Agil ist nicht nur ein Schlagwort für unser Team, sondern in unserer DNA verankert. Unser Ziel ist es, unseren Kunden passgenaue Lösungen genau dann bereitzustellen, wenn sie diese benötigen.
«Wir verwenden Lasttests und Softwareprofiling, um Schwachstellen kontinuierlich zu identifizieren und auszubessern, was die Performance der Execution Platform ständig verbessert.»
Evangelos Papakonstantis
Senior Execution Platform Architect

Evangelos verlagert seinen Fokus auf seine eigenen Entwicklungsaufgaben für die Woche, die neue Initiativen innerhalb des Transaction Bankings und bei Vontobel insgesamt umfassen. Insbesondere denkt er über die Fortschritte in den Bereichen Künstliche Intelligenz und Cloud Computing nach. Es ist entscheidend, dass das Team diese technologischen Bereiche berücksichtigt und deren potenzielle Vorteile für unsere Kunden bewertet. Als Team sind wir stolz auf die Innovationen, die wir in der Vergangenheit eingebracht haben, und setzen uns dafür ein, dass die Execution Platform auch in Zukunft diesen Innovationsgeist verkörpert.
Während der Nachmittagsschicht laufen der SOR und die algorithmischen Handelsstrategien auf Hochtouren und führen Aufträge mit chirurgischer Genauigkeit aus. Gelegentlich setzen Händler sich direkt mit Eugene in Verbindung und bitten ihn, Fälle zu überprüfen die augenscheinlich falsch abgewickelt wurden. Glücklicherweise sorgt das Know-how des Teams dafür, dass bei der Orderausführung nötigenfalls eingegriffen und jeder solcher Fälle nahtlos beigelegt werden kann.
Eugenes Schicht im Betrieb endet um 18.00 Uhr, mit dem Closing der europäischen Börsen. Über den Nachtpikettdienst, welcher von Roger übernommen wird, wird die Unterstützung des Trading Desk gewährleistet. Der US-Markt handelt bis 22.00 Uhr MEZ, und das Team muss bis dahin erreichbar sein. Am nächsten Morgen um 7.00 Uhr beginnt die Frühschicht und mit Norbert, einem erfahrenen Betriebsmitarbeiter, schliesst sich damit der Kreis des kontinuierlichen Supports.
Im Prinzip scheint es für Roger und sein Team ein Tag wie jeder andere zu sein. Wie erwartet, haben die US-Präsidentschaftswahlen die Grenzen der Execution Platform getestet. Aber jeder einzelne der knapp 80 000 Aufträge wurde einwandfrei erledigt, was die Belastbarkeit und die Leistung des Systems unterstreichen. Hinter jeder Codezeile, jeder Systemkonfiguration und jeder Hardwareentscheidung steht das unermüdliche Streben unseres Teams, Vontobel dabei zu helfen, sich in einem schnelllebigen, wettbewerbsintensiven Markt zu behaupten.
Als Eugene das Gebäude B21 verlässt, setzt sanftes Schneegestöber ein, das die einst geschäftige Atmosphäre in eine ruhige, friedliche Szene verwandelt …
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Publiziert am 26.03.2026 MEZ
ÜBER DIE AUTOREN
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Tobias Moser ist ein erfahrener Senior Execution Platform Architect. Er leitet die Entwicklung des Ordermanagementsystems und hat eine wichtige Rolle bei der Umsetzung von PULS, dem Smart Order Router (SOR) von Vontobel, gespielt.
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Eugene Gorbachev ist ein Senior Execution Platform Engineer mit fundierten Kenntnissen im Bereich von Unix- und Hardwaresystemen. Eugene ist zudem Experte für das FIX-Protokoll (Financial Information eXchange) und arbeitet zur Sicherstellung einer konformen Konnektivität eng mit Märkten und Kunden zusammen.
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Senior Execution Platform Architect
Evangelos Papakonstantis ist stellvertretender Leiter und Senior Architect im Team Execution Platform Development. Zu seinen Aufgaben gehören die Softwareentwicklung über alle verwendeten Technologiestacks hinweg. Zudem fungiert er als Scrum-Master und stellt sicher, dass Kundenwünsche priorisiert und Systemeinführungen sowie automatische Betriebsprüfungen durchgeführt werden.





